Wir fordern eine transparente und nachhaltige Anlagestrategie

Die VBL verwaltet einen Großteil der Betriebsrenten im Öffentlichen Dienst

Die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) verwaltet die betriebliche Zusatzrente von 4,9 Millionen Versicherten. [1] Alle Beschäftigten im öffentlichen Dienst, die nicht in Hamburg oder im Saarland angestellt und nicht verbeamtet sind, sind verpflichtend über die VBL versichert. Mit einem Anlagevermögen von etwa 29 Milliarden Euro ist sie Deutschlands größte Zusatzversorgungseinrichtung für Beschäftigte des öffentlichen Dienstes.

Das Problem: Intransparente Anlagestrategie ohne soziale oder ökologische Kriterien

DieAnlagestrategie der VBL ist aus zwei Gründen problematisch: Erstens schafft die VBL keine Transparenz darüber, wo die Gelder der Versicherten investiert sind. Zweitens verpflichtet sich die VBL bezüglich ihrer Investments zu keinen klaren ökologischen oder sozialen Standards. Lediglich Streubomben und Anti-Personen-Minen sowie Produzenten chemischer und biologischer Waffen werden aus dem Portfolio ausgeschlossen, wobei erstere ohnehin durch die UN geächtet sind. [3] Investitionen in Kohle, Rüstung oder Firmen, die Menschenrechte missachten, sind somit prinzipiell möglich.

 

Als Anstalt öffentlichen Rechtes verpasst die VBL damit die Chance, explizit in zukunftsträchtige Branchen wie erneuerbare Energien oder die Dekarbonisierung unserer Wirtschaft zu investieren und so zur Bekämpfung der Klimakrise beizutragen.

Wir fordern eine neue Anlagestrategie für unsere Altersvorsorge

Diese Investmentstrategie ist nicht mit unseren Werten vereinbar. Wir setzen uns nicht nur in unserer Arbeit im Öffentlichen Dienst für Gemeinwohl und Zukunftsorientierung ein, sondern auch dann, wenn es um die Anlage für unsere Rentenversicherung geht.



Wir fordern daher:

  1. Transparenz über alle Investments der VBL.
  2. Die Erarbeitung und Einhaltung von verpflichtenden ökologischen und sozialen Standards für alle Investments der VBL.
  3. Den grundsätzlichen Ausschluss von Investments in Kohle, Erdgas, Erdöl und Kernenergie aus dem Portfolio der VBL.

Die Bedeutung des Finanzsektors für die internationalen Klimaziele

Der Finanzsektor ist entscheidend, um die Klimaziele des Abkommens von Paris zu erreichen. Die Bundesregierung hat im März 2019 erklärt, dass Deutschland zu einem führenden Sustainable-Finance-Standort ausgebaut werden soll.[4] Die VBL sollte als Institution des Bundes, die vom Bundesfinanzministerium beaufsichtigt wird, als gutes Beispiel vorangehen und den Wandel in eine emissionsarme Wirtschaft und Gesellschaft unterstützen.

Nachhaltige Investitionen garantieren eine sichere Rente

Andere Institutionen haben bereits gezeigt, dass die nachhaltige Verwaltung von Rentengeldern möglich ist. Die Caisse des Dépôts ist die führende Verwaltungsgesellschaft französischer Pensionsfonds und fördert mit ihren Geldern sozialen Wohnungsbau, erneuerbare Energien und weitere sozial verantwortliche Projekte. Auch die Pensionsfonds der Länder Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen investieren künftig in Aktienindizes, die auf gemeinsam entwickelte Nachhaltigkeitskriterien basieren.[5]

 

Weltweit haben sich bereits 1318 Finanzinstitutionen dazu verpflichtet, Investments in fossile Energien zu stoppen. Praktisch geschieht dies beispielsweise durch den Ausschluss von Firmen, die auf der Global Coal Exit List stehen oder Teil der „Carbon Underground 200“, also der 200 börsennotierten Firmen mit den größten Kohle-, Öl- und Gasreserven, sind.

[6]

 

Aktuelle Forschung im Bereich nachhaltiger Finanzen legt nahe, dass durch eine nachhaltige Anlagestrategie keinerlei finanzielle Nachteile entstehen. Ganz im Gegenteil tragen insbesondere Investments in fossile Energieträger auch ein hohes finanzielles Risiko.[7]

Gemeinsam die VBL zukunftsfähig aufstellen

Die VBL wird von einem Vorstandsgremium geleitet und von einem Verwaltungsrat kontrolliert. Wir richten unsere Forderungen direkt an diese beiden Gremien. Je mehr Menschen und Institutionen unsere Forderungen unterstützen, desto eher finden sie bei der VBL Gehör. Denn die Forderung kommt direkt von der Basis und den Angestellten, deren Geld die VBL verwaltet.


Quellen

[1] Quelle für Daten der VBL: VBL (2019). Zeitreise. Arbeit. Freizeit. Auszeit. Der Geschäftsbericht 2019. Online abrufbar unter https://www.vbl.de/de/die_vbl/auf_einen_blick/geschaeftsbericht/ (15.04.2021).

[2] Mit Ausnahme der Bundesländer Hamburg und Saarland.

[3] VBL (2020). Online abrufbar unter https://www.vbl.de/de/die_vbl/vermoegensanlage/grundsaetze_der_anlagepolitik/ (10.10.2020). Zur Nachhaltigkeit verweist die VBL lediglich auf einen “Engagementansatz”, ohne jedoch ein genaues Vorgehen, die Partner oder erzielte Erfolge eines solchen Ansatzes zu nennen.

[4] BMF (2019). Sustainable Finance: BMF initiiert Strategie für Nachhaltige Finanzen. Online abrufbar unter https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Internationales_Finanzmarkt/Finanzmarktpolitik/2019-03-05-sustainable-finance.html (16.06.2020).

[5] NRW Landesportal (2019). Online abrufbar unter https://www.land.nrw/de/pressemitteilung/pensionsfonds-der-laender-nordrhein-westfalen-baden-wuerttemberg-brandenburg-und (14.07.2020)

[6] 350.org (2021). Online abrufbar unter https://gofossilfree.org/divestment/commitments/ (15.04.2021)

[7] Friede, G., Busch, T. & Bassen, A. (2015). ESG and financial performance: aggregated evidence from more than 2000 empirical studies. Journal of Sustainable Finance & Investment 5(4), 210-233; Caldecott, B. et al. (2016). Stranded assets: a climate risk challenge, Inter-American Development Bank Monograph 481.; Carbon Tracker (2020). Decline and Fall: The Size & Vulnerability of the Fossil Fuel System, online abrufbar unter https://carbontracker.org/reports/decline-and-fall/ (14.07.2020).